Museum für Völkerkunde Hamburg http://voelkerkundehh.posterous.com Der Blog posterous.com Wed, 02 May 2012 01:00:00 -0700 Bibliotheksgespräch: Onkel Ali & Co. http://voelkerkundehh.posterous.com/bibliotheksgesprach-onkel-ali-co http://voelkerkundehh.posterous.com/bibliotheksgesprach-onkel-ali-co

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Hallo, mein Name ist Jantje Bruns, ich leite seit 2008 gemeinsam mit meiner Kollegin Elisabeth Quenstedt die Bibliothek im Museum für Völkerkunde. 

Ein Freund hat vor Jahren zu mir gesagt: „Jeder hat etwas Interessantes zu erzählen, Du musst nur die richtigen Fragen stellen.“ Manchmal denke ich, man muss überhaupt Fragen stellen. Genau das haben die Autoren unseres Bibliotheksgesprächs am 10. Mai getan. Ich finde das Journalistenehepaar Bertram hat auch noch den richtigen Menschen Fragen gestellt.

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Worum geht es? Es geht um das Buch „Onkel Ali & Co.“. Jürgen und Helga Bertram haben ihre Nachbarn mit Migrationshintergrund in der Gustav-Falke Straße in Hamburg interviewt und nach ihren Lebensgeschichten befragt. Es geht um Menschen, die Grenzen und Kulturen überschritten haben, die nach Deutschland gekommen sind und deren Leben von diesem Mut geprägt wurde. Der Anlass für die Idee das Buch „Onkel Ali & Co“ zu schreiben waren die umstrittenen Thesen von Thilo Sarrazin: „Es war nicht unsere Absicht“, so die Autoren, „Probleme zu beschönigen. Aber wir wollten deutlich machen, dass Viertel wie Eimsbüttel oder Ottensen ohne den Beitrag dieser Menschen um einiges ärmer wären. Und wir sind überzeugt davon, dass dies für die gesamte Gesellschaft gilt“. Hören Sie gemeinsam mit uns die Fragen der Bertrams und die Antworten ihrer Nachbarn. Hören Sie wahnsinnig mutige und manchmal abenteuerliche Lebensgeschichten mitten aus unserer Gesellschaft.

P.S.: Übrigens, eine Tradition des Bibliotheksgesprächs ist es, dass ein landestypisches Gebäck zum jeweiligen Thema des Abends serviert wird. Aber was kann das sein, bei einer so kunterbunten Gesellschaft, von der wir hören werden? Lassen Sie sich überraschen! Es wird köstlich, spannend und es wird anregende Gespräche geben mit den Autoren und hoffentlich auch gemeinsam mit Ihnen!

Die Bibliothek ist von Donnerstag bis Sonntag jeweils von 13.00 – 18.00 Uhr geöffnet.

Aufgrund der begrenzten Platzkapazität bitten wir Sie, sich rechtzeitig anzumelden: bibliothek@mvhamburg.de

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Fri, 27 Apr 2012 01:53:00 -0700 Veranstaltung: Ameisenmatten aus dem Amazonas-Tiefland http://voelkerkundehh.posterous.com/veranstaltung-ameisenmatten-aus-dem-amazonas http://voelkerkundehh.posterous.com/veranstaltung-ameisenmatten-aus-dem-amazonas

Hallo,

mein Name ist Christine Chávez und ich bin die Leiterin der Amerika-Abteilung im Museum.

 Es ist schon immer wieder erstaunlich, auf welche Dinge man in einem Museumsarchiv so stößt! In diesem Fall waren es Insekten, die sich an Museumsobjekten befanden. Normalerweise löst ein solcher Befund bei Museumsleuten Entsetzen und Panikattacken aus, handelt es sich dabei doch meist um äußerst unerwünschte Gäste, wie etwa Motten, die in einem Museum nun wirklich gar nichts zu suchen haben.

In diesem Fall hatte ich es jedoch mit Wespen und ziemlich großen Ameisen zu tun, die glücklicherweise alle nicht mehr lebten. Die Insekten lagen auch nicht nur einfach so herum, sondern waren in die Objekte „eingewebt“! Bei besagten Objekten handelt es sich um Matten aus Pflanzenfasern. Sie haben die Form eines Tieres oder tierähnlichen Wesens und sind sehr kunstvoll mit bunten Federn verziert.

Ameisenmatte_aparai-wayana_klein

Ameisenmatte der Aparai-Wayana-Indianer

Als ich die Ameisen- und Wespenmatten während unserer Inventur im Archiv entdeckte, fiel mir wieder ein, dass ich ähnliche Matten bei einem Ausstellungsprojekt zu Studienzeiten schon einmal in Händen gehalten hatte. Solche Gegenstände stellen nur die Aparai-Wayana, ein Indianervolk aus dem nordöstlichen Amazonas-Tiefland, her. Mein Interesse war neu geweckt und da traf es sich gut, dass ich just zu einer Tagung über die Kultur der Aparai-Wayana eingeladen wurde.

Die erneute Beschäftigung mit diesen faszinierenden Stücken und auch die Gespräche auf der Tagung - unter anderem. mit einem Wayana, der extra aus Französisch-Guayana angereist war – brachten mir viele neue Erkenntnisse: Zum Beispiel, was der Gelbrücken-Stirnvogel mit den Wespenmatten zu tun hat und ob diese Gegenstände auch heute noch verwendet werden.

Aber wofür werden sie denn nun verwendet? Dieses Rätsel werde ich am Donnerstag, 03.05.2012 um 18.30 Uhr im Rahmen unserer Veranstaltungsreihe „Ausgepackt!“ hier im Museum für Völkerkunde lüften. Neugierig geworden? Dann einfach vorbeischauen!

Soviel sei verraten: Die „Anwendung“ dieser Matten erfordert viel Mut und Tapferkeit…

 

 

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Thu, 26 Apr 2012 03:04:00 -0700 Schatzkammer: Die Crux der Kataloge http://voelkerkundehh.posterous.com/schatzkammer-die-crux-der-kataloge http://voelkerkundehh.posterous.com/schatzkammer-die-crux-der-kataloge

Ein Kunde. Ich bin prinzipiell immer FÜR Kunden, weil sie meinen Berufsstand ermöglichen.

Dieser spezielle Kunde sorgte allerdings dafür, dass ich am liebsten das komplette Museum geschlossen hätte. Ein Kunde ist ein Kunde ist ein Gast.  Kein König. Und Buchhändler, Kellner und Museumsmitarbeiter sind nicht dazu da, sich von Gästen beleidigen zu lassen.

„Ich war vor 40 Jahren zuletzt hier – haben Sie denn gar keinen Katalog?!“

„Doch, zu den jeweiligen Ausstellungen und zur Geschichte des Hauses.“

„Das interessiert mich nicht, ich will wissen, was hier gezeigt wird. Haben Sie Japaner?“

„Nein, heute haben wir keine Japaner. Welche Ausstellung interessiert Sie denn besonders?“

„Wieviele Galerien haben Sie denn hier?! Ich WILL einen Katalog dazu. Ich habe hier nur den Lageplan, der nützt mir ja nichts, wenn ich wissen will, was hier drin ist!“

…nun ja…in einem Lageplan stehen Dinge wie „Schätze der Anden“, „Alt-Ägypten“, „Herz der Maya“ oder „Indianer Nordamerikas“. Möglicherweise sind in diesen Wörtern Hinweise auf die Ausstellungen versteckt.

Ich starte die Flucht nach vorn. Kunde will Katalog?! Kunde kriegt Katalog (Achtung! In dem Wort „kriegt“ steckt KRIEG mit drin!).

„Hier haben wir zum Beispiel unseren Katalog zum „Herz der Maya“. Die Publikation zu einer unserer aktuellen Ausstellungen. Oder dieser hier, zu den Textilien der Mayas…..

Kunde unterbricht Buchhändlerin.

„Ich WILL was zur Geschichte! Haben Sie denn garnichts zur Geschichte?! Ich will Ihre dämlichen Ladenhüter nicht! Ich will nicht so teures Zeug!“

Ich weise den Herrn höflich, aber sehr bestimmt darauf hin, dass ich ihm noch keinen Preis genannt habe. Und der geschmähte meisterhafte Katalog tut mir sehr leid.

„Ach, ich kenne das doch! Teure Ladenhüter bietet man immer zuerst an!“

Sprach es und griff sich ein Buch über die Prophezeihungen der Mayas.

„Hier! Sowas will ich! Was ist das denn?!“

Hm. Soll ich darauf hinweisen, dass er bereits „Ich will das“ gesagt hat, bevor er gefragt hat, was es ist? Nein. Vielleicht kommt er aus einem Kulturkreis, wo man die Braut auch erst nach der Hochzeit kennenlernt.

„Das ist ein Buch über die Prophezeiungen der Mayas.“

„Was kostet das?“

„10 Euro.“

„So teuer?! Warum ist das so teuer?! Kann man das in Raten zahlen?“

„Nun, der Preis rechtfertigt sich allein dadurch, dass es von Mayas geschrieben, gedruckt und übersetzt wurde – viel authentischer geht es kaum.“

„Ach so. Ich nehme das. Steht das denn auch hier irgendwo drin, was Sie da sagen? Ich meine, Sie können einem ja viel erzählen!“

Ja, in der Tat, das kann ich. Deshalb habe ich den Herrn auch gebeten, sein Buch zu bezahlen, bevor er, wutschnaubend ob der grenzenlosen Enttäuschung eine „sich einnistende überflüssige Buchhandlung“ statt eines Museums besucht zu haben, das Haus verlässt.

„Sie dürfen das Buch noch bezahlen, bevor Sie es mitnehmen, bitte.“

„Ach, ich dachte, ich kann das Anschreiben lassen. In der Nachkriegszeit konnte man noch alles anschreiben lassen.“

Bei freundlichen Kunden hätte ich jetzt in Frage gestellt, dass die die Nachkriegszeit erlebt haben. Ich hätte so etwas gesagt wie: „Na, da waren Sie ja noch nicht geboren, woher wollen Sie das denn noch wissen?“. Hier mache ich das nicht. Und nein, man kann nicht anschreiben lassen.

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Tue, 24 Apr 2012 02:43:00 -0700 RAURU: Es geht los – Auftakt zur Umgestaltung des Ausstellungssaals http://voelkerkundehh.posterous.com/rauru-es-geht-los-auftakt-zur-umgestaltung-de http://voelkerkundehh.posterous.com/rauru-es-geht-los-auftakt-zur-umgestaltung-de

Hallo, ich bin Sarah Syed, seit 2010 Volontärin im Museum und arbeite momentan mit im Ausstellungsteam zur geplanten Maori-Ausstellung, die im Oktober eröffnet wird.

Was geht hier vor sich im Maori-Haus?

Blogfoto_rauru-400

Am 7. Oktober wird es soweit sein. Dann öffnet das Maori-Haus aus Neuseeland erneut seine Türen und präsentiert sich ganz neu. Das Haus hat einen eigenen Namen, es wird RAURU genannt, ist ein wunderschönes, kunstvolles Versammlungshaus, über und über mit Schnitzwerk verziert und damit eines der wichtigsten Ausstellungsstücke im Museum. Dieser Schatz liegt ein wenig versteckt und als Besucher muss man auch den letzten Museumswinkel erforschen, um ihn zu entdecken. Das soll sich in Zukunft ändern denn es gilt den Schatz ans Tageslicht zu befördern und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Dafür werden einige Baumaßnahmen nötig sein. Momentan sind wir damit beschäftigt störendes Beiwerk wie tief hängende Decken oder Treppenaufgänge zu entfernen. Bald sollen auch Fenster freigelegt werden, so dass endlich wieder Tageslicht in den Raum fällt.

Und dann?

Damit sind wir noch lange nicht am Ziel unserer Bemühungen. Im Sommer wird das Dach von RAURU neu gedeckt werden, wofür extra Restauratoren aus Neuseeland kommen werden, um sich der Arbeiten anzunehmen.

Auf Neuseeland wird schon das Baumaterial für das neue Dach geerntet

Außerdem erzählt das Haus spannende Geschichten, die in den Schnitzwerken dargestellt sind. Die kunstvollen Arbeiten sind den Göttern und Ahnen gewidmet, die auf diese Weise in den Wänden des Hauses verewigt sind. Auch die Geschichte des Hauses selbst - sein Bau, die viele Tage dauernde Einweihung, der Weg nach Hamburg – ist äußerst interessant. All dies möchten wir natürlich auch weitergeben. Ab Oktober werden diese Geschichten nachzulesen sein und einzelne Wandteile erklärt werden. Jeder für sich kann dann auf Entdeckungsreise gehen und mehr über die Maori, ihre Schnitzkunst, ihre Kultur, ihr Leben und vor allem über das Meisterwerk RAURU erfahren.

Was bedeutet eigentlich RAURU?

Das Haus trägt den Namen RAURU  denn die in der Maori-Kultur sehr bedeutenden Versammlungshäuser erhielten stets einen Namen, und zwar in der Regel den eines wichtigen Ahnen. RAURU  lebte vor über 600 Jahren und gilt zusammen mit zwei weiteren Vorfahren, Rongo und Rua als Vater der Schnitzkunst. Die Frage müsste also eigentlich lauten: Wer ist RAURU? Das Haus symbolisiert einen Menschen mit Armen und Händen (Seitenteile des Dachs), einem Rückrad (Dachfirst) und einem Gesicht (Maske auf Dachspitze).

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Thu, 19 Apr 2012 06:07:00 -0700 Schatzkammer: Herzig http://voelkerkundehh.posterous.com/schatzkammer-herzig http://voelkerkundehh.posterous.com/schatzkammer-herzig

Heute wird es herzig im Blog.

Ich kann mich ja nicht immer darüber auslassen, dass ich leider kein botanisches Kristallkarten-Set im Sortiment habe. Traurig? Ja, ich auch. Aber ich habe doch ansatzweise einen Sinn für Realität entwickelt. Nein, das ist kein Fremdwort.

Meine Realität in den letzten Tagen bekam einen ganz entzückenden Zuwachs. Büchermenschen sind ja prinzipiell schon mal toll, weil sie mehr Freunde haben als Nichtleser. Ich bin nämlich ganz sicher, dass die Freundschaft z.B. zu Hadschi Halef Omar intensiver ist, wenn man ihn erlesen hat, als wenn man „nur“ den Film gesehen hat.

Zwei etwas betagtere Büchermenschen spazierten im Museum, im Restaurant und im Laden herum. Sie setzten Lesebrillen auf und freuten sich von Buch zu Buch. Schließlich entschieden sie sich für eine 2,3kg schwere Literatur aus unserem Antiquariats-Korb: „6000 Jahre Geschichte“ ein Wälzer mit einer Menge Buchstaben und Bildern darin. Die beiden, durch Händchenhalten unverkennbar als Paar erkenntlich, trabten also mit dem Buch zur Kasse.

Er: „Was meinen Sie, wenn wir das kaufen, können wir das dann später bei Ihnen abholen? Rumschleppen ist anstrengend.“ 

Ich: „Gerne. Wer schleppt schon 6000 Jahre mit sich rum.“

Sie: „Na, manchmal fühlt man sich schon so alt.“

Er (guckt sie glücklich an): „Glück hält jung.“

Buchhändlerin schmunzelt begeistert.

Er: „Erkennen Sie mich denn auch wieder, wenn ich das Buch nachher abhole? Gucken Sie, ich habe ein paar graue Haare, daran können Sie sich das merken.“

Sie: „ Dich erkennt man doch immer daran, dass Du der Schönste bist.“

Buchhändlerin guckt herzig, als Er und Sie fröhlich Richtung Inkagalerie weitergehen. Händchen haltend, versteht sich.

Und am Abend werden sie sicher gemeinsam auf dem Sofa sitzen, und in 6000 Jahren Geschichte blättern. Herzig.

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Thu, 12 Apr 2012 01:26:00 -0700 Schatzkammer: Ostern im Museum http://voelkerkundehh.posterous.com/schatzkammer-ostern-im-museum http://voelkerkundehh.posterous.com/schatzkammer-ostern-im-museum

Man könnte denken, über Ostern ist nichts los in einer Museumsbuchhandlung, weil alle Menschen Ostereier suchen, verstecken und vergessen, wo sie versteckt sind.

Weit gefehlt.

Ostern gibt es eine kleine Gruppe widerspenstiger Buchhändler, die der festen Überzeugung sind, man könnte zu Ostern auch lesen. Gerne mit Schokoladenei – oder Marzipan oder Nougat oder Karamell. Nur aufpassen mit den Flecken!

Diese kleine Gruppe Revolutionäre (1 Buchhändlerin, 1 Mammut, 1 VoodooPuppe namens Trinity) hatte sich über Ostern im Museum verschanzt - und dachte, sie könnten in Ruhe lesen. Buchhändler lesen nämlich gern, was man gar nicht denkt, weil sie ja ständig Bücher gegen Geld eintauschen.

Besagte Buchhändlerin und Anhang machen es sich also im Laden bequem. Mit Kakao und einem „Ich-tue-so-als-würde-ich-arbeiten“-Gesicht. Aber besonders Ostermontag war das wichtig, denn Montags haben Buchhändler ja bekanntlich frei, allerdings nicht, wenn Ostermontag ist. Daher musste extra an das Arbeitsgesicht erinnert werden.

Problem: Es war nicht NICHTS los. Es kamen ständig Menschen vorbei. Und zwar solche, die auf der Suche nach Büchern waren! Die Revolutionäre konnten das anvisierte Buch nicht lesen, den Kakao nicht trinken und das Arbeitsgesicht nicht nur zum Schein machen – sie hatten aufeinmal GANZ VIELE Anhänger! Die österliche Leserevolution im Museum war ein voller Erfolg!

Fazit: Ostereier werden klassisch überbewertet. In der Schatzkammer wurden zur Osterzeit fast ausschließlich kalorienfreie Ostergeschenke verkauft. Solche mit Buchstaben und mit Freunden und manchmal auch mit Mammuts drin.

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Thu, 05 Apr 2012 08:14:00 -0700 Veranstaltung: Kinderarbeit in Ecuador http://voelkerkundehh.posterous.com/veranstaltung-kinderarbeit-in-ecuador http://voelkerkundehh.posterous.com/veranstaltung-kinderarbeit-in-ecuador

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Liebe Freundinnen und Freunde des Museums für Völkerkunde Hamburg,

liebe Studentinnen und Studenten und liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,

mein Name ist Elisabeth Weller. Ich arbeite seit nunmehr einem Jahr in der Bibliothek des Museums für Völkerkunde Hamburg und lade euch alle ganz herzlich zum zweiten Bibliotheksgespräch ein. Am Donnerstag den 12. April um 18.30 Uhr werde ich in diesem Rahmen über meine Feldforschung zu "Kinderarbeit in Ecuador" berichten und freue mich auf spannende Gespräche und Diskussionen.

Hier ein erstes Zitat zur Einstimmung auf den Vortrag:

"Die 12-Jährige Alexandra, die 12-Jährige Frauke, die 10-Jährige Aida und der 11-Jährige Florian haben eines gemeinsam: sie wollen arbeiten. Und zwar gegen Geld. Alexandra, Frauke und Florian sind zufrieden. Sie finden immer wieder Beschäftigungen. Frauke geht z.B. Kellnern, Florian hilft nachmittags auf einem benachbarten Bauernhof aus, während Alexandra sich gern um alte kranke Leute kümmert. Nur die kleine Aida sucht noch verzweifelt nach einer Arbeit. Doch niemand will sie einstellen, denn damit macht sich ein Arbeitgeber strafbar." (gegenlicht 03/2012: http://www.gegenlichtfilm-kaiser.de/aktuell/bin-zehn-suche-arbeit.html)

Was meint ihr? Woher kommen Alexandra, Frauke, Aida und Florian? Zugegeben, die Namen lassen es vielleicht vermuten: aus Deutschland. Silvia Kaiser portraitiert diese Kinder in ihrem Film "Bin zehn, suche Arbeit. Wenn Kinder Geld verdienen" (ZDF/2006) und beschäftigt sich darin mit Kinderarbeit in Deutschland. "ProNATs - Verein zur Unterstützung arbeitender Kinder und Jugendlicher" beschreibt den Kontext des Filmes wie folgt:

"Wurde die Abschaffung der Kinderarbeit lange Zeit als soziale Errungenschaft gefeiert, sieht die Realität heute anders aus: Kinderarbeit in Deutschland ist ein Massenphänomen. Weit über die Hälfte aller Kinder tragen Zeitungen aus, Kellnern, betreuen Babys, gehen einkaufen für Alte und Kranke oder jobben sogar am Bau; das haben wissenschaftliche Untersuchungen ergeben. Und noch viel mehr, fast 90 Prozent, würden es gern tun. Dabei ist es in Deutschland per Gesetz erst Jugendlichen ab 15 Jahren erlaubt, durch Arbeit Geld zu verdienen." (ProNATs 03/2012: http://www.pronats.de/materialien/materialhinweise/filme/)

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Mit diesen Zitaten möchte ich verdeutlichen, dass das „Phänomen Kinderarbeit“ nicht, wie häufig angenommen, weit weg von unserer Realität ist. Gleichzeitig möchte ich das pauschal negative Bild, welches dem Schlagwort anhängt, in Frage stellen. Nicht nur die ProtagonistInnen des oben erwähnten ZDF-Films arbeiten gerne oder setzen sich dafür ein, arbeiten zu dürfen. Auch in Quito sind mir Kinder begegnet, die gerne arbeiten.

Der Kindersoziologe Prof. Manfred Liebel ist Mitbegründer von ProNATs und kommt auch im genannten Film zu Wort. Sein Name ist mir außerdem während meiner Recherche in Quito im Kontext von sozialen Bewegungen arbeitender Kinder in Lateinamerika immer wieder begegnet. Erfreulicher Weise kam es nach meiner Rückkehr nach Deutschland zu einem Treffen in Berlin. Im  Auftrag von Cristiano Morsolin, einem italienischen Sozialwissenschaftler, der auch in Quito geforscht hatte, übergab ich Manfred Liebel dessen Studie, und erhielt im Gegenzug ein interessantes und inspirierendes Gespräch. Diese Begegnung symbolisiert für mich die Verbindung unterschiedlichster Lebenswelten und ein gemeinsames Ziel: Solidarität mit arbeitenden Kindern, ihre Anerkennung als soziale Subjekte und die Stärkung ihrer Rechte.

Ich hoffe, dass ihr neugierig geworden seid und wir uns am 12. April um 18.30 Uhr im kleinsten und schönsten Lesesaal der Stadt sehen.

 

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Thu, 05 Apr 2012 04:07:00 -0700 Schatzkammer: Ich WILL einen Skarabäus! http://voelkerkundehh.posterous.com/schatzkammer-ich-will-einen-skarabaus http://voelkerkundehh.posterous.com/schatzkammer-ich-will-einen-skarabaus

Soll man wollen? Oder möchte man dürfen?

„Ich WILL einen Skarabäus!“

Das ist ein denkbar schlechter Gesprächseinstieg. Besonders in der Eltern-Kind-Kommunikation.

Im Kundin-Buchhändlerin-Gespräch liegt die Sache ein bisschen anders. Wenn Menschen Bücher WOLLEN, SOLL eine Buchhändlerin sie nicht aufhalten. Natürlich ist ein „Ich MÖCHTE bitte einen neuen Krimi“ schöner als „Ich WILL ein peruanisches Kochbuch“ oder „Sie DÜRFEN mir ein Zweitbuch verkaufen“.

 „Ich WILL einen Skarabäus!“  kam von einer älteren Dame und stellte mich vor ein Problem.  Wäre es ein Kind gewesen, hätte ich eine Augenbraue fragend hochgezogen und gesagt:

„Was MÖCHTEST Du?“

Kann man ja nicht machen, bei Damen.

Mein Problem war eher, ihrem Wunsch angemessen zu entsprechen. Denn: Die aktuelle Skarabäen-Auswahl unseres Sortiments kommt schon fast einer Käferplage gleich. Abgesehen vom Buch „Der magische Skarabäus“ haben wir aktuell einen geflügelten schwarz goldenen Skarabäus, einen blau-grünen zum an-den-Schlüssel-hängen, einen großen schwarzen mit Hieroglyphen zum Bestaunen und einen gemalten auf Papyrus.

Also frage ich zurück:

„Was für einen möchten Sie denn haben?“

„Ich WILL einen Skarabäus!“

Ja. Das habe ich schon verstanden.

Ich breite die Auswahl aus und gebe erklärendes Buchhändlergesäusel ab.

„Ich WILL einen Skarabäus! So einen mit nem Loch drin!“

Aha. Wir kommen der Sache näher, entfernen uns aber gleichzeitig. Hab ich nämlich nicht. Meine sind alle heil.

„Es tut mir leid, aber ich habe nur diese hier. Darf ich Ihnen einen anderen bestellen?“

„Nein, ich WILL einen Skarabäus. So einen aus Gold. Dann eben nicht!“

Sprach es und ging. Für mein Empfinden war das eine sehr einseitige Kommunikation. Und unbefriedigend dazu. Aber irgendwie bin ich ganz froh, dass ich kein Käferlein in wollende Hände geben musste. Ich SOLL zwar so nicht denken – ist unwirtschaftlich  - aber ich MÖCHTE immer gerne ein achtsames Zuhause für Bücher oder Käfer. Oder Mammuts.

 

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Tue, 03 Apr 2012 01:08:00 -0700 Aus der Forschung: Geheimnisvolle Koreanische Seladone http://voelkerkundehh.posterous.com/aus-der-forschung-geheimnisvolle-koreanische http://voelkerkundehh.posterous.com/aus-der-forschung-geheimnisvolle-koreanische

Liebe Leute,

hier ist wieder Susanne Knödel mit Neuigkeiten von der Vorbereitung der Koreaausstellung.

Eigentlich wollte ich mich ja mit den Textilien beschäftigen. Aber weil das so viele sind, habe ich mir zuerst unsere Seladonkeramiken vorgenommen …. Seladon ist eine sanftgrüne Glasur. Oft spielt sie ins gelbliche oder bläuliche. Erfunden wurde sie in China. Im 10. Jahrhundert gelangte diese Glasurtechnik nach Korea. Und die Koreaner brachten sie in 200 Jahren zur Vollendung. Die schönsten Seladone der Welt kommen aus Korea.

Lotusschale und glasierter Boden

Ein gutes Beispiel ist diese Schale. Sie hat einen wunderschönen, leicht bläulichen Grünton (allerdings ist sie nicht ganz so blau wie auf meinem Foto). Die Außenseite der Schale ist mit Lotosblütenblättern geschmückt. Wer die Schale benutzt, trinkt sozusagen aus einer Lotosblüte.

Ich weiß inzwischen, wo die Schale gemacht wurde: In Sadang-ri, den Seladonwerkstätten der koreanischen Könige. Das erkennt man daran, dass die Unterseite komplett mit Glasur überzogen ist. Nur dort, wo sie beim Brennen auf drei kleinen Stützen stand, ist keine Glasur. Das ist typisch für die Keramiken aus Sadang-ri.

Diese Information fand ich in einem sehr nützlichen kleinen Buch: Handbook of Korean Art: Earthenware and Celadon“ von Youngsook Park und Roderick Whitfield. Dort habe ich auch gelesen, dass diese schöne jadegrüne Farbe, die die koreanischen Töpfer seit dem 12. Jahrhundert so perfekt hinkriegen, „Geheimfarbe“ heißt, auf koreanisch „pisaek“ (秘色).  Warum sie wohl so genannt wurde? Weil der Farbton so mysteriös wirkt? Weil das Rezept geheim war? Oder weil nur hochgestellte Persönlichkeiten diese teuren Seladone benutzten, und sie deshalb den normalen Leuten unbekannt blieben? Das will ich in den nächsten Tagen noch herausfinden.

Eine weitere Frage, die ich klären will: Kommt diese Schale tatsächlich aus Korea? Oder doch aus China?

Korea oder China? und schmaler Standring

Mich wundert der olivgrüne Farbton. Den kenne ich von chinesischen Seladonen, aber nicht von koreanischen. Und mich beschäftigt auch, wie kühne der Dekor in den Scherben eingeschnitten ist - vor allem die Rosette im Zentrum. Nach meiner Erinnerung  ist eingeschnittener Dekor in Korea immer sehr fein. An chinesischen Seladonen aus Longquan habe ich aber solche breiten Schnitte schon gesehen. Außerdem kommt der Standring mir merkwürdig vor, er ist ganz schmal und wirkt, als wäre er aus dem weichen Ton herausgekniffen worden… Ich plane, einer Kollegin in London Fotos der Schale zu schicken – vielleicht kann Sie mir weiterhelfen.

Zum Schluss noch ein Rätsel für Euch Blog-Leser: Wozu diente das längliche Gefäß, das ganz rechts unten im Regal steht?  Es wurde im 12. Jahrhundert hergestellt. Hier die Maße: L 45 cm, B 16 cm, H 13 cm.

Foto_5_was_ist_das_blo_whatever_is_this-400
Was ist das bloß?

Wenn ihr am 4. April um 15:00 Uhr zu meiner Veranstaltung „Ausgepackt!“ kommt, könnt ihr diese mysteriöse Seladonwanne aus der Nähe betrachten. Dort löse ich auch das Rätsel, was das ist. Vor einigen Monaten hat der Direktor des National Folk Museum of Korea, Cheon Jing-ji, es mir gesagt. Über meine vergeblichen Versuche, das Ding zu identifizieren, haben wir dabei sehr gelacht.

Wer am Mittwoch nicht kommen kann, erfährt die Auflösung in meinem nächsten Blog. Und wer helfen kann, meine Fragen zu klären – bitte melden!

 

English Version:

Research News: Mysterious Korean Celadons

Hi folks,

I´m Susanne Knödel, back with news about the preparation of our new Korean Exhibition.

I was going to research our textiles, but then I changed my plans since there are so many of them… So I turned to our Celadon ceramics first. Celadon is a softly greyish-green glaze, which often has a yellowish or bluish tint. It was invented in China. The technique was introduced to Korea in the 10th C., and within 200 years, Korean potters brought it to perfection. The most beautiful Celadon ceramics of the world come from Korea.

Lotus bowl and glazed underside

This bowl is a good example. It is a beautiful, slightly bluish shade of green. (admittedly, the glaze is not quite as blue as it looks on my foto). The bowls outside is decorated with lotus petals. So, drinking from the bowl is like drinking from a lotus blossom.

I now know where this bowl was made: In Sadang-ri, the Celadon kilns of the Korean Kings. One can see that when looking at the base of the bowl: It is completely covered in glaze, except three little spots, where the bowl was standing on supports during the firing process. This is typical for Sadang-ri wares.

I got this information from a very useful little book: Handbook of Korean Art: Earthenware and Celadon“, by Youngsook Park and Roderick Whitfield. In the same book, I also read that the lovely jade green colour, which the Korean potters so skilfully achieve since the 12th C., is called “secret colour”, or in Korean „pisaek“ (秘色). I wonder why it was called “secret”? Was it that the tint of the colour was felt to be mysterious? Was the formula a secret? Or was it that only members of the high society were able to afford these Celadon wares, which therefore remained unknown to the broader society? I shall try and find that out in the next days.

Moreover, there is another question I want to clarify: Is this bowl actually Korean? Or is it Chinese?

Korea or China? and narrow footring

What puzzles me is the olive green tint of the glaze. I have seen that in Chinese Celadon wares, but not in Korean ones. I also wonder about the bold cuts with which the decoration was incised into the body – especially the rosette in the middle. As I remember it, incised decorations are quite fine in Korea. But I have seen such broad, bold cuts in Chinese Celadons from Longquan. Last but not least, the footring has a strange form, it is very thin in some places, and pointed as if it had been pinched from the soft clay. …I plan to send some photos to a colleague in London – maybe she can help.

Now here comes a last riddle for you readers of this blog: For which purpose served the oblong vessel that you see at the bottom right in this photo? It was made in the 12th C. The measurements are: L 45 cm, W 16 cm, H 13 cm.

Foto_5_was_ist_das_blo_whatever_is_this-400
Whatever is this?

On April 4th, 3pm is my next lecture in the “Unpacking Asia” – series. If you come, you will see this mysterious vessel from close by – I will bring it along. I will also tell you what it is. Some months ago, the Director of the National Folk Museum of Korea, Cheon Jing-ji, enlightened me during a visit. We had quite a laugh then about my useless trials at identifying this strange container.

For those who cannot come to my lecture, I shall solve the riddle in my next blog. If you can help with any of my questions, please come forward!

 

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Thu, 29 Mar 2012 03:14:25 -0700 Schatzkammer: Ostereier zu Weihnachten http://voelkerkundehh.posterous.com/schatzkammer-ostereier-zu-weihnachten http://voelkerkundehh.posterous.com/schatzkammer-ostereier-zu-weihnachten

Ostermarkt. Der beginnt heute.

Und ich sehe ihm mit ein wenig gemischten Gefühlen entgegen. Ich habe nämlich im letzten Jahr gelernt, dass Besucher/Kunden/Gäste prinzipiell Ostern nicht unbedingt an Österlichem interessiert sind.

Ein Beispiel: Letztes Jahr im Februar haben wir von der Schatzkammer mit viel Mühe, noch mehr Spaß und einer Prise Resignation liebevoll Waren ausgewählt und eingekauft, die wir dann hier zusammen mit der Osterliteratur anbieten wollten. Haben wir auch getan. Darunter waren auch zahlreiche (etwas kitschige) Spieluhren im Fabergé-Stil. Also in Eierform, bunt lackiert und goldglänzend. Wenn man sie öffnete, erklang ein Walzer oder ein Teil vom Schwanensee. Ja, etwas kitschig, hab ich ja schon erwähnt. Aber unzweifelhaft österlich!

Nur: auf dem Ostermarkt 2011 haben wir kein einziges davon verkauft. Dabei waren die sogar kalorienfrei! Und wenn man nach den Melodien tanzt, verbrennt man dabei bestimmt das ein oder andere Marzipan-Ei. Aber – wahrscheinlich zu österlich für den Ostermarkt…reumütig einsichtsvoll haben wir die bunten Glitzereier dann in unsere Vitrinen gestellt. Dort blieben sie….bis zum Christkindlmarkt! Denn die Weihnachtszeit scheint den Auferstehungsgedanken bereits vorausgenommen zu haben – bis auf 2 Eier haben wir alle österlich verschmähten Spieluhren  in der Adventszeit verkauft! Versucht DAS mal mit Schokoladenosterhasen!

Nun ist wieder Ostermarkt. Und bis gestern standen die zwei Resteier auf dem Ostertisch, der inzwischen mit wundervollen neuen Osterwaren und Büchern  bedeckt ist. Und was passiert? Jetzt ist es nur noch 1 rotes goldglitzerndes Spieluhren-Ei! Und die Dame, die das andere erworben hat, fragte doch tatsächlich, ob es davon nicht noch mehr gäbe! Ich sehe es schon kommen, dass ich diese Frage in den nächsten Tagen ständig höre. Denn neue Spieluhren habe ich dieses Jahr natürlich nicht eingekauft, die brauche ich, so dachte ich zumindest, erst Weihnachten wieder. Weil dann Ostereier so beliebt sind.

Von Anna Schatz, Museumsshop Schatzkammer

 

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Tue, 27 Mar 2012 15:00:00 -0700 Portrait einer Ostereierkünstlerin http://voelkerkundehh.posterous.com/portrait-einer-ostereierkunstlerin http://voelkerkundehh.posterous.com/portrait-einer-ostereierkunstlerin

Eins

Mein Name ist Dagmar Laske, ich bin Künstlerin und Illustratorin und stelle dieses Jahr einige meiner Osterei-Kunstwerke auf dem 28. Norddeutschen Ostermarkt aus.

Mit dem Talent zum Malen begann ich 1983 die Lehre zur Porzellanmalerin in der Porzellanmanufaktur Meissen. Während der 4-jährigen Ausbildung erlernte ich alle Mal- und Zeichengrundlagen. Schon dort war die Liebe zum Detail ein Teil meiner Arbeit.

Mit viel Geduld, ruhiger Hand und feinen Pinselstrichen arbeitete ich schon damals mit Freude an Motiven aus der Natur und ihrer detailgetreue Wiedergabe. Heute veredele ich nicht nur weißes Porzellan mit kunstvollen Malereien, nein ich schrecke vor keiner Oberfläche zurück. So habe ich mich auch an das Ei herangetraut, um es mit zarter Bearbeitung dekorativ in Szene zu setzen. Mit Blumen in voller Blüte, mit Blattgrün und Vogelgesang läuten die frühlingshaften Eier leise den Frühling ein.

Beim Experimentieren mit der Malerei am Ei entwickelte sich dann etwas ganz Besonderes: das Ei im Ei. Ein Kunstwerk, das viel Fingerspitzengefühl verlangt.

Zwei

Das Ei im Ei besteht aus einem Gänseei und einem Entenei. Das Gänseei ist außen und hat eine dickere Schale. Dadurch ist es möglich das Ei aufzuschneiden. Es wird längs aufgeschnitten und eine Hälfte mit einem Fensterausschnitt versehen. Bevor die beiden Ei-Hälften mit viel Geschick wieder zusammengefügt werden, wird das innen liegende Enten-Ei bemalt. Zum Schluss bekommt das Außenei seine Bemalung.

Die Aussägung wirkt wie ein kleines Fenster mit dem Blick auf etwas Verborgenes.

Drei

Der Vorhang öffnet sich und man schaut auf eine kleine Bühne, auf der grazil die Ballerina tanzt.

Vier

Habt ihr Lust auf meine Kunst am Ei bekommen, so lade ich euch ein zum 28. Norddeutschen Ostereiermarkt im Museum für Völkerkunde vom 29. März bis 1. April oder zu einem virtuellen Rundgang durch mein Atelier unter www.madala.de.

Ich freue mich auf euch!

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Thu, 22 Mar 2012 04:43:00 -0700 Schatzkammer: Kurios Köstliches http://voelkerkundehh.posterous.com/schatzkammer-kurios-kostliches http://voelkerkundehh.posterous.com/schatzkammer-kurios-kostliches

Das Telefon klingelt. Generell bin ich damit einverstanden, denn freundliche Kunden dürfen gerne Bücher bei uns per Telefon bestellen. Unfreundliche Kunden auch, aber da mache ich dann meistens ein angestrengtes Gesicht. Sehen die ja auf der anderen Seite der Leitung nicht.

In diesem Fall war es eine sehr freundliche Kundin.

„Buchhandlung im Museum für Völkerkunde, Schatz, guten Tag?“

„Frau Schatz? Sind Sie das?“

Ja. Ich heiße wirklich so, was gut ist, denn häufig ist der Nachname das einzig Nette an mir.

„Ja, was kann ich denn für Sie tun?“

„Ach, ich habe etwas ganz Tolles in Ihrem Laden gekauft.“

Find ich gut. Alles andere würde mich auch wundern. Aber das sage ich jetzt nicht.

„Oh wie schön! Was denn?“

„Ja, das ist ja gerade das Problem. Es ist schon ein bißchen her, und jetzt weiß ich nicht mehr, was es eigentlich ist. Aber ich weiß noch, dass es ganz toll ist.“

Ich kombiniere: es kann kein Buch sein. Da steht für gewöhnlich der Inhalt drin.

„Wie sieht es denn aus?“

„Also…es ist so aus Gras oder so und hat kleine Knubbel. Und ein rotes Zeichen.“

Aha. Achtung, Sherlock Schatz bei der Arbeit:

„Sie haben einen chinesischen Teezopf gekauft!“

„JA!!! Richtig! Das war es!!! Und was mache ich nun damit?!“

„Sie schneiden jeweils eine von den Knubbeln ab, wickeln den schwarzen Tee aus dem Palmblatt aus und kochen mit einer Kugel eine Kanne Tee. Das Einwickeln von Tee in Palmblätter war im alten China die beste Transportmöglichkeit auf den Karawanenstraßen.“

„Ach so, das soll man trinken?“

Naja. Es ist Tee. Aber nun gut, ich bin ja flexibel.

„Oder Sie geben alle Kugeln in eine heiße Badewanne. Reinigt ganz perfekt die Haut.“

„Toll. Wunderbar. Ich trinke nämlich selten Tee.“

Ich mag es, wenn Kunden glücklich sind. Diese Kundin ist sogar zweifach glücklich. Sie hat sich bestimmt beim Einkauf selbst gefreut, und jetzt nochmal am Telefon. Fein.

Von Anna Schatz, Museumsbuchhandlung Schatzkammer

 

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Tue, 20 Mar 2012 05:56:00 -0700 Herzlichen Glückwunsch, es ist ein Märchengeburtstag! http://voelkerkundehh.posterous.com/herzlichen-gluckwunsch-es-ist-ein-marchengebu http://voelkerkundehh.posterous.com/herzlichen-gluckwunsch-es-ist-ein-marchengebu

Aschenputtelspiel_iii-400

Das Aschenputtelspiel

"Woher kommen Ihnen nur all diese tollen Ideen?", werden wir Museumspädagogen häufig von den Besucherinnen und Besuchern gefragt.

Nun, in erster Linie stammen sie meist aus unseren studierten Fächern. Die Museumspädagogen des Museums für Völkerkunde Hamburg haben Ethnologie, meist in Kombination mit einem regionalen Schwerpunkt studiert: Afrikanistik, Ägyptologie, Mesoamerikanistik oder Tibetologie - um nur einige Beispiele zu nennen. In Feldforschungsaufenthalten haben wir intensiven Kontakt mit „unserer“ Ethnie bekommen und diese erworbenen Kenntnisse gilt es nun, auf vielfache Art und Weise zu vermitteln.

Soweit zur Theorie. Nun zur Praxis! :-)

Für mich ist das spannende an der Museumspädagogik, dass man sich seine Arbeitsbereiche immer wieder komplett neu und selbst erschaffen kann!

Zum einen bekommen wir Anregungen aus den wechselnden Sonderausstellungen, zu denen wir uns neu einarbeiten und für die jedesmal aufs Neue ein pädagogisches Rahmenprogramm konzipiert wird. Dazu haben wir in der Regel vollkommen freie Hand. :-)

Steht gerade einmal keine Ausstellung an, die meinen Themenbereich betrifft, dann suche ich mir einen Aspekt, zu dem ich mehr erfahren oder etwas wieder einmal vermitteln möchte (dazu habe ich eine Auswahl von 700.000 Objekten), eigne mir an, was ich noch nicht darüber weiß (dazu nutze ich unsere wundervolle Bibliothek), überlege mir ein passendes Vermittlungskonzept und biete es interessierten Besucherinnen und Besuchern an (dafür stehen mir ca. 5000 qm Ausstellungsfläche zur Verfügung! Hurra!).

Die Vermittlung erfolgt natürlich, je nach Zielgruppe, auf unterschiedliche Art und Weise. Bei Erwachsenen häufig eher theoretisch, für Kinder und Jugendliche mit einem erweiterten Praxisanteil. Es gibt Führungen für Einzelbesucher, Gruppenführungen (Touren und Gespräche), Praxisangebote für Erwachsene (Kurse) und Kinder (Offene Werkstätten), Firmenveranstaltungen (Veranstaltungspakete) und Kindergeburtstage (Geburtstage). Dabei beschränkt sich das Angebot nicht nur auf den Tag, sondern reicht bis in die Nacht.

Eine ganz besondere Veranstaltungsart sind für mich Kindergeburtstage. Ein Geburtstag ist immer ein besonderer Tag und diesen mit seinen Freunden im Museum zu feiern, stellt mich als Museumspädagogin noch einmal vor eine ganz besondere Herausforderung:

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Ein Märchengeburtstag wird geboren

Zu Beginn der Konzeption eines neuen Kindergeburtstages steht meist eine diffuse Idee, z.B.: „Man müsste mal wieder einen Geburtstag zum Thema „Europa“ anbieten.“ In unserem Museum zeigen wir ja nicht nur „fremde“ Kulturen, sondern ebenfalls „unser eigenes Haus Europa“.

Auch bei Geburtstagen geht es, neben allem Spiel und Spaß, um Kulturvermittlung. Es gilt, ein bestimmtes Thema oder die komplexe Kultur einer Ethnie auf ein einfach zu vermittelndes und leicht verständliches Niveau herunterzubrechen, ohne dabei den Bezug zum eigenen wissenschaftlichen Anspruch oder zur Kultur, die man darlegt, zu verlieren.

Im Falle des Märchengeburtstages „Aufruhr im Zauberwald“ stand zu Beginn die Idee, etwas zum Thema „europäische Kultur“ anzubieten. Ich grübelte und grübelte, wie man das Thema „Märchen“ zu einem Geburtstag verwandeln kann, der Wissensvermittlung, Spiel und Spannung für 2-3 Stunden beschert.

Die besten Ideen kommen einem ja bekanntlich immer dann, wenn man gar nicht damit rechnet. So auch in diesem Fall: Beim Staubsaugen durch das Kinderzimmer fiel mein Blick auf ein altes, in meiner Kindheit heißgeliebtes (und immer noch 100% empfehlenswertes) Spiel: Sagaland. Plötzlich wusste ich es: Das war die verbindende Grundgeschichte!

Wie bei Sagaland, geht es in dem Märchengeburtstag darum, Gegenstände wiederzufinden, nur diesmal die im Museum versteckten. Die Rahmenhandlung ist schnell erzählt: Eine böse Hexe möchte nicht mehr, dass man den Kindern Märchen erzählt weil sie es satt hat, immer die Rolle der bösen Hexe zu spielen. Kurzerhand stiehlt sie die wichtigsten Elemente der Märchen (z.B. Rotkäppchens Korb, Froschkönigs Goldkugel etc.) und verbirgt sie im Museumsschloß. So kann man den Kindern natürlich keine Märchen mehr erzählen!

Nachdem das theoretische Gerüst stand, musste es nun mit Leben ausgefüllt werden, d.h. die Kostüme besorgt bzw. genäht, passende Spiele ausgedacht, die geheimen Versteckplätze der Gegenstände ausgewählt werden. (Hier ist besonders wichtig zu erwähnen, dass in unserem Museum ja eine Vielzahl an Geburtstagsveranstaltungen parallel stattfinden, sodass man seinen Schatzplatz sehr sorgfältig auswählen muss, damit er nicht zwischendurch von Piraten oder Detektiven gefunden wird... Alles schon passiert!).

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Jedes Praxisangebot, jede Führung und jeder Geburtstag wächst mit seinen Aufgaben. Manche Spiele fallen nach einigen Probedurchläufen raus, weil sie doch nicht so gut angenommen werden wie im stillen Kämmerlein erhofft, andere Ideen entstehen aus dem Nichts heraus und werden feste Bestandteile des Geburtstages:

So zum Beispiel die Theatersequenz, in der wir das Märchen vom „Rotkäppchen“ nachspielen. Dieser, mittlerweile feste Bestandteil meiner Märchengeburtstage, hat sich aus einer spontanen Idee entwickelt.

Es ist wunderbar zu sehen, mit welchem Elan Väter und Mütter in Wolfs-, Großmütter- und Jägerkostüme schlüpfen und völlig unbefangen im „öffentlichen Raum Museum“ das Rotkäppchen-Märchen nachspielen. Für mich zählt dieses Zusammenspiel von Eltern, Kindern und Geburtstagsgästen zu den schönsten Augenblicken der Veranstaltung.

Dies war nur ein kleiner Einblick in die Geburtsstunde eines Geburtstages und zuviele Details (wie z.B. von der Suche im dunklen Zauberwald oder von dem Mantel, der unsichtbar macht) möchte ich auch nicht verraten. Kommt und erlebt es selbst!

Im nächsten Blogbeitrag möchte ich euch gerne über unsere nächtlichen Aktivitäten berichten - ihr wisst ja, es wurden schon viele Filme über „Nachts im Museum“ gedreht, aber noch keiner über „Nächte im Museum für Völkerkunde Hamburg“.

Von Isabel Lenuck, Museumspädagogin

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Thu, 15 Mar 2012 04:00:00 -0700 Schatzkammer: Mammutaufgabe des Buchhändlers http://voelkerkundehh.posterous.com/schatzkammer-mammutaufgabe-des-buchhandlers http://voelkerkundehh.posterous.com/schatzkammer-mammutaufgabe-des-buchhandlers

Neben dem Alltag können wir uns hier im Laden wöchentlich über Weihnachten freuen. Wir bekommen nämlich Pakete von überall her. Ich gebe zu, dass wir auch überall welche hinschicken, aber Pakete bekommen ist noch netter.

Allerdings kam am vergangenen Samstag ein Paket, dass offensichtlich sehr lange unterwegs war. Es waren nämlich lauter Mammuts drin! Die Wände des Paketes waren mit Höhlenmalerei-Postkarten ausgekleidet.

Ich dachte bisher, Mammuts seien ausgestorben. Aber, so wie die hier durch die Gegend gekuschelt werden, scheinen sie sehr lebendig zu sein. Sie sind angereist mit lauter sinnvollen Büchern über die Eiszeit und die Evolution des Menschen (Nein, wir stammen NICHT vom Mammut ab. Auch wenn man das bei manchen Menschen meinen möchte.). Die Mammuts sind also bestimmt auch sehr lesefreudig und wissbegierig.

Aber…wohin mit den Mammuts? Sie können ja nicht EWIG im Museum leben! Sonst kriegen sie noch Depressionen, weil sie denken, sie seien ausgestorben. Wir haben Ihnen einen eigenen Tisch gebaut, mit ihren Büchern und Malereien und Steinzeitfeuerzeugen und Steinzeitlollis, falls sie Hunger haben. Und trinken können sie aus Evolutionstassen. Zumindest so lange, bis sie ein liebevolles neues Zuhause haben.

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Tue, 13 Mar 2012 01:55:00 -0700 Japanisches Mädchenfest Hina Matsuri 2012 http://voelkerkundehh.posterous.com/japanisches-madchenfest-hina-matsuri-2012 http://voelkerkundehh.posterous.com/japanisches-madchenfest-hina-matsuri-2012

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Thu, 08 Mar 2012 00:42:00 -0800 Schatzkammer: Was Bücher und DVDs gemein haben http://voelkerkundehh.posterous.com/schatzkammer-was-bucher-und-dvds-gemein-haben http://voelkerkundehh.posterous.com/schatzkammer-was-bucher-und-dvds-gemein-haben

Die Schatzkammer ist selbstverständlich eine Buchhandlung. Was muss man mit Büchern tun? Genau. Sie freundlich behandeln, denn sie könnten ein neuer bester Freund sein. Aber lesen muss man sie auch – ok, es gibt Ausnahmen – aber die allermeisten Bücher wollen gelesen werden. Deshalb kann man bei uns auch alle Bücher anfassen, sich hinsetzen und reinlesen und reinfühlen, ob das Buch um einen Platz im heimischen Bücherschrank bettelt.

Aber nicht jeder Besucher des Museums ist mit Büchern befreundet, scheint es.

In der vergangenen Woche erreichte mich folgendes Ansinnen – und ich bemühe mich ja stets, für alle Wünsche Verständnis aufzubringen.

Kundin: „ Haben Sie nicht ein Buch mit mehr Zahlen drin?“

Anna: „Heute nicht. Heute haben wir nur Bücher mit Buchstaben.“

Kundin : „Naja, also, da soll ja der Kalender erklärt werden (der MAYA-KALENDER, versteht sich), und hier sind nur Texte und ein paar Bilder drin, ich brauche ein Buch, wo man das einfach versteht, ich will da nichts drüber lesen.“

Wie gut, dass man bei uns auch den Maya-Kalender auf DVD erläutert bekommt. Fand die Dame auch.

Für die Leser unter uns: Eine DVD samt Hülle ist quasi ein Buch mit Buchdeckel, Buchschnitt und Buchrücken sowie einem Einleger, den man in eine Art Rekorder geben kann, und der dann Kapitelweise vorliest, was auf den Seiten des Buches stehen würde. Dazu werden Bilder angezeigt, die es nicht in die Bücher geschafft haben, weil sie sich zu schnell bewegen. Und Bücher sind ja meistens ruhige Zeitgenossen. Zahlen? Ja. Gibt es in der DVD ganz viele. Einsen und Nullen und die Möglichkeit, Szenen auszuwählen. Im Buch wären das Kapitel.

In einer Buchhandlung bekommt man also auch Bücher, die fast ohne Seiten auskommen, die DVDs. Und wenn man zusätzlich noch Bücher kauft, ist das so, als hätte man ein Fahrrad UND ein Auto UND eine Monatskarte für den öffentlichen Nahverkehr. Habt ihr schon mal versucht, am Fahrkartenschalter ein Auto zu kaufen? Eben. Deshalb sind Buchhandlungen so toll. Weil man da ALLES bekommen kann, auch wenn man nicht gerne liest. Und eine Buchhandlung IN einem Museum gibt die Möglichkeit, auch gleichzeitig viel von dem anzusehen, worüber man liest.

 

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Wed, 07 Mar 2012 02:40:00 -0800 Vorschau: Kosmos Buenos Aires http://voelkerkundehh.posterous.com/vorschau-kosmos-buenos-aires http://voelkerkundehh.posterous.com/vorschau-kosmos-buenos-aires

In der Ausstellung vom 24.Juni bis 26. August 2012 präsentieren Künstler aus der argentinischen Hauptstadt ihr Leben und Werk. Kosmos Buenos Aires zeigt eine Auswahl der Arbeiten von zwei renommierten Künstlerkollektiven und drei EinzelkünstlerInnen und führt mit der Darstellung der Entstehung der Werke an das Lebensgefühl in der argentinischen Metropole heran. Klischeebilder werden dabei aufgebrochen und alternative Blickwinkel hinsichtlich der lateinamerikanischen Metropole ermöglicht. Durch die kollektive Arbeit mit Hamburger Künstlern werden interkulturelle Grenzen durchbrochen, bestehende Netzwerke interkontinental erweitert und die Entstehung der Ausstellung als Prozess dargestellt.

Teilnehmende Künstler:

Run Don’t Walk
Urban Art, Recycling Art, Collage (Art Kollektiv // Buenos Aires)

No Definitivo
Malerei, Zeichnung, Video (Art Kollektiv // Buenos Aires)

Orilo
Installation, Skulptur (Buenos Aires)

Kris Tsai
Fotografie (Buenos Aires)

Lena Szankay
Fotografie (Buenos Aires)

WE ARE VISUAL
Urban Art, Intervention im öffentlichen Raum, Installation (Art Kollektiv // Hamburg)

Sven Jakob
Filmemacher / Dozent Kamera (Berlin)

http://kosmos-bsas.tumblr.com/

Februar

Seit Anfang des Monats sind die Jungs vom Hamburger Kunstkollektiv WE ARE VISUAL in Buenos Aires. Erste Kontakte werden geknüpft. Gemeinsam wird nach Möglichkeiten gesucht, kurzfristig einen Ausstellungsort in der Metropole für das Kollektiv zu finden, es sieht noch schwierig aus.

http://wavgoesba.wordpress.com/

März

Letztes Wochenende trafen sich alle ausstellenden Künstler das erste Mal in Buenos Aires- es bleibt spannend.

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Thu, 01 Mar 2012 02:09:00 -0800 Schatzkammer: Die neue Kolumne am Donnerstag http://voelkerkundehh.posterous.com/schatzkammer-die-neue-kolumne-am-donnerstag http://voelkerkundehh.posterous.com/schatzkammer-die-neue-kolumne-am-donnerstag

Hallo, hier schreibt Anna Schatz. Und zwar in meiner Funktion als Buchhändlerin der Schatzkammer. Die Schatzkammer wiederum ist die Buchhandlung des Museums.

Buchhandlungen haben den Vorteil, dass man sie auch besuchen kann, wenn man mal nicht das ganze Museum ansehen möchte, sondern einfach nur ein Stündchen gemütlich lesen oder über Literatur plaudern will. Oder beides. Deshalb kann man die Schatzkammer auch betreten, ohne Museumseintritt zu zahlen. Man geht einfach an der Kasse vorbei und sagt den freundlichen Damen dort, dass man heute mal nur den Leseplatz im Laden besetzen will. Oder so ähnlich.

Buchhandlungen haben aber auch den Nachteil – wobei, es könnte auch ein Vorteil sein – dass sich hier absonderliche Menschen tummeln. Was schön und gleichzeitig manchmal ein wenig verrückt ist. Von den Verrücktheiten werde ich hier ebenso berichten wie von den zauberhaften Kunden, deren Kommentare Buchhändler einfach nur glücklich machen.

Glücklich machen kann man Buchhändler übrigens täglich von 10-18 Uhr, auch und sehr gerne am Wochenende. Außer am Montag, denn Montags haben Buchhändler bekanntlich frei.

Freut euch also von nun an jede Woche auf eine kolossale Kolumne aus der Schatzkammer!

 

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Tue, 28 Feb 2012 02:00:00 -0800 Aus der Forschung: Besuch von der University of California http://voelkerkundehh.posterous.com/aus-der-forschung-besuch-von-der-university-o http://voelkerkundehh.posterous.com/aus-der-forschung-besuch-von-der-university-o

Liebe Leute,

hier ist wieder Susanne Knödel mit neuen Nachrichten von der Erforschung unserer Koreasammlung.

Zu dem Weinwärmegefäß, das ich Anfang Dezember hier vorstellte, gibt es noch keine neuen Erkenntnisse. Zwischendurch habe ich mich anderen Sammlungsstücken zugewandt. Bei der Forschungsarbeit bekomme ich immer wieder Unterstützung von WissenschaftlerkollegInnen, die zu uns reisen und sich die Sammlung mit sachkundigen Augen anschauen. Besonders die KunsthistorikerInnen sind da sehr aktiv.

Diese Woche war Dr. Maya Stiller von der UCLA hier. Sie hat in Deutschland an einer Wanderausstellung der Korea Foundation, „Entdeckung Korea! – Schätze aus Deutschen Museen“, mitgewirkt und kam zur Eröffnung ins Grassi-Museum nach Leipzig. Den Aufenthalt in Deutschland benutzte sie, um einen Blick auf unsere Schamanenbilder zu werfen. Das sind Gemälde, die in Korea auf den Altären der Mu-Religion (so nennt man den einheimischen Schamanismus in Korea) hängen.

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Maya Stiller mit dem Muhak-Bild

Unter diesen Bildern gibt es einige, die buddhistische Gestalten als Schamanengötter zeigen. Der koreanische Schamanismus hat sich nämlich viele historische und religiöse Persönlichkeiten zu eigen gemacht und verehrt sie auf seine spezielle Art. Besonders begeistert war Maya von einem Bild des Mönches Muhak (無學1327 -1405)  als Schamanengott. Er wird auch Muhak Taesa genannt. Das Bild wurde ungefähr 1900 gemalt, und man sieht, dass der Maler die buddhistischen Mönchsporträts seiner Zeit sehr gut kannte. Muhak sitzt auf einer Bodenmatte, hat einen Stab in der einen und eine Gebetskette in der anderen Hand. Die Kette liegt in Form einer 8 (na ja, mit guten Willen kann man eine 8 erkennen). Das macht sie zu einem Symbol der Unendlichkeit. Maya hat gerade einen Artikel über koreanische Mönchsporträts für die Zeitschrift „Arts of Asia“ geschrieben. Daher konnte sie mir genau zeigen, wie unser Bild in die zeitgenössische Maltradition passt.

Bei einer anderen Gelegenheit habe ich gelernt, dass man Schamanengemälde an ihrem besonders schmalen Rand erkennt. Ich habe vergessen, Maya zu fragen, ob das hier auch so ist.

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Muhak Taesa als Schamanengott

In der Mittagspause gingen wir koreanisch essen und unterhielten uns dabei weiter… Unter anderem diskutierten wir über die Frage, wie Muhak ein Schamanengott geworden ist, und ob man die koreanische Mu-Religion überhaupt als Schamanismus bezeichnen sollte. Das letztere ist ein altes Thema, aber immer wieder interessant.

Am Tag danach mailte Maya mir noch eine Menge Informationen über Muhak zu. Einiges davon wird wohl in einem Ausstellungstext landen, wenn wir Ende nächsten Jahres die geplante Koreaausstellung machen.

Bald könnt Ihr hier mehr Informationen lesen, wahrscheinlich über unsere Textilien und Schmuckstücke aus Korea.

 

English Version:

A Visitor from the University of California  A Visitor from the University of California  

Dear folks,  

I´m Susanne Knödel. Back again to tell you about my research work on our Korean collection. 

There is still no new information about the wine warmer which I wrote about in December. Meanwhile, I am working with other Korean objects. I get a lot of support from scholars, who travel to Hamburg and have a look on those parts of our collection which they are experts on. Especially the art historians are very active in this respect.  

This week, Dr. Maya Stiller from UCLA was here. She has co-curated an exhibition staged by the Korea Foundation: “Korea rediscovered – Treasures from German Museums”. After travelling to the opening in Leipzigs Grassi Museum, she came to us to have a look on our Korean shaman paintings. These paintings are hung on the altars of the Mu-religion. “Mu religion” is the Korean word for their indigenous shamanism.

Among the paintings, there are a few that show Buddhist personages as shaman gods. In Korea, a lot of historical and religious personages have been adopted as gods by the shamans, and are venerated by them according to their shaman rites. Maya was especially intrigued by a painting that shows the monk Muhak Taesa (無學1327 -1405) as a shaman god, also called Muhak Taesa. The painting was painted around 1900, and one can easily see that the painter knew the Buddhist monks portraits of his time: Muhak is sitting on a floor mat, holding a staff in one hand and a rosary in the other. The rosary forms the figure 8 (although one needs a bit of goodwill to recognize that). This feature makes it a symbol of  infinity. Maya has just written an article about Korean monks portraits for the “Arts of Asia” – magazine. Therefore she was able to show me how well our painting fits in with the contemporary tradition. On another occasion, I learned that shaman paintings can be discerned by their narrow borders. I forgot to ask Maya if this is the case here, too…

For the noon break, we went to a Korean restaurant nearby and talked on and on…Among others, we discussed the question how Muhak came to be venerated as a shaman god, and whether it is a good idea at all to use the word “shamanism” for the Korean “Mu Religion”. The latter is an old topic, but it is still interesting to discuss.  

A day later, Maya mailed me a lot of information on Muhak. Some of it may become part of an exhibition text in the Korean Exhibition we plan for end of next year.  

More about our collection is soon to come. The next topics will probably be Korean textiles and jewellery.

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Sun, 26 Feb 2012 15:00:00 -0800 Veranstaltung: Start der Reihe "Bibliotheksgespräche" http://voelkerkundehh.posterous.com/veranstaltung-start-der-reihe-bibliotheksgesp http://voelkerkundehh.posterous.com/veranstaltung-start-der-reihe-bibliotheksgesp

Hallo mein Name ist Jantje Bruns, seit 2008 leite ich die Bibliothek im Museum für Völkerkunde gemeinsam mit meiner Kollegin Elisabeth Quenstedt.

 

Bibliotheken sind Orte der Konzentration, hier wird gelesen, geforscht und studiert in beinahe andächtiger Stille, oder? In der Tat, so ist es auch bei uns. Aber, unsere Bibliothek ist auch ein Kommunikationszentrum. Wissenschaftler, Restauratoren, Studenten und alle Interessierten arbeiten in diesem kleinsten und schönsten Lesesaal der Stadt und kommen hier immer wieder auch ins Gespräch.

 

Und weil der Dialog ein wichtiger Faktor für eine inspirierte Forschung ist, starten wir im März unsere Reihe Das Bibliotheksgespräch! Jeden zweiten Donnerstag im Monat werden wir Autoren einladen, die aus ihren veröffentlichten und unveröffentlichten Werken lesen. Im Anschluss freuen wir uns auf hoffentlich angeregte Gespräche.

 

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Den Auftakt macht am 8. März, dem Weltfrauentag, die Ethnologin Dr. Ninette Preis, die über ihre Feldforschung in Indien berichten und aus ihrem Buch "Train friendslesen wird. Wir werden von Frauenfreundschaften, Essensvorbereitungen und Alltagssorgen im indischen Nahverkehrszug Ladies Special hören. Und es wird um ganz praktische Fragen der Feldforschung an diesem besonderen Ort gehen.

 

Bei einer kurzen Begegnung mit Dr. Ninette Preis war ich schon nach wenigen Sätzen im Bann ihrer Erzählungen. Ich saß im indischen Zug „Ladies Special“ zwischen den Frauen in ihren bunten Saris, schälte mit ihnen Kartoffeln und sang Lieder. Aber vielleicht entsprechen meine fast romantischen Vorstellungen, die von TV Bildern geprägt sind, gar nicht der Realität dieser Frauen. Ich bin sehr gespannt darauf, mehr von den „Train friends“ zu hören. Sind Sie auch neugierig geworden?

 

Wir freuen uns sehr auf Dr. Ninette Preis, unsere Leser, Freunde, Förderer und alle, die die Bibliothek im Museum für Völkerkunde noch nicht kennen. Sie sind herzlich willkommen!

 

Termin: 8. März 2012 | 18.30 Uhr

Eintritt: Im Museums- und Bibliothekseintritt enthalten

Treffpunkt an der Bar im Museumsrestaurant Okzident - wir gehen gemeinsam in die Bibliothek

 

Öffnungszeiten der Bibliothek: Do–So 13–18 Uhr

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